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Vor dem Bild

Andreas Jon Grote

Informationen
Papier Museum Natural Smooth
Alurahmen Struktur silber matt
Abmessung, Print 70x90 cm
Entstanden November 2022
Erstausstellung April 2025 im WDR Bielefeld

Generierte Bilder prägen unseren Alltag. Immer öfter stellt sich die Frage: Ist das KI oder echt? Was zeigen solche Bilder, wenn sie keinen direkten Kontakt zum Gezeigten hatten? Klassische Fotografie ist Spur eines Ereignisses: Licht trifft Material, ein Moment reagiert chemisch; selbst digital bleibt der Sensor an Ort und Zeit gebunden – ein Bild ist aufgezeichnetes Licht. Bei generierten Bildern ersetzt ein Prompt Ort, Moment und Kamera; Grundlage ist nicht mehr das Gesehene, sondern ein Wahrscheinlichkeitsgewebe aus Bildteilen.

Die Arbeit fokussiert den Zwischenzustand: frühe Iterationen, in denen Strukturen, Kanten, Texturen aufscheinen, ohne dass sich eine Szene schließt. Sichtbar werden Spuren ohne Erzählung, Andeutungen ohne Gewissheit. Der Blick arbeitet hier anders: Er erkennt nicht wieder, er konstruiert Bedeutung im Betrachten und man meint etwas zu erkennen. Welche Evidenz verlangen wir, um ein Bild für „real“ zu halten? Und was bleibt vom fotografischen Versprechen, wenn Präsenz durch Wahrscheinlichkeit ersetzt wird? Ein auf Milliarden Bildern trainiertes Modell rekombiniert Fragmente zu einer plausiblen Anmutung dessen, was die Texteingabe nahelegt. Im Trainingsrauschen steckt alles: Produktfotos, Selfies, Kunst, Medizinisches, Belangloses – beliebig, ungleich, oft ungefragt. Aus dieser Sedimentschicht entstehen Bilder, die aussehen, als wären sie gesehen worden, ohne je vor Ort gewesen zu sein: ein Zustand vor dem Bild.