Anthropomorphe Schleifen zwischen Mensch, Tier und Maschine
Anthropomorphismus beschreibt die menschliche Tendenz, Tiere mit menschlichen Eigenschaften, Rollen oder Emotionen zu versehen. Das Projekt untersucht, wie sich diese kulturelle Praxis im Zeitalter künstlicher Intelligenz verändert, beschleunigt und adaptieren lässt.
Ausgangspunkt der Idee war ein reales Ereignis in 2019, das viral ging: In Las Vegas wurden Straßen-Tauben rosa Cowboyhüte aufgeklebt. Das Video löste gleichzeitig Lachen, Empörung und Faszination aus. Genau in diesem Spannungsfeld bewegt sich diese Arbeit. Die Szene wirkt absurd und humorvoll, zeigt aber auch ein grundlegendes Problem unserer Gegenwart: Tiere werden zunehmend zu Projektionsflächen, zu Charakteren, Maskottchen, Influencer*innen. Und in dem Moment, in dem sie Teil unserer Content-Kultur werden, verlieren sie ihren Status als fühlende Lebewesen. Interessant daran ist nicht nur das Humorvolle, sondern eher die symbolische Ebene: Der Hut als kulturelles Accessoire, ein Marker für Identität, Status oder Rolle. Und damit die schädliche Anthropomorphisierung der Tiere.
KI-generierte Bildwelten verstärken diesen Mechanismus, indem sie Tiere nicht nur weiter vermenschlichen, sondern den Content-hype weiter treiben ohne Rücksicht auf das Wohl der Lebewesen, Ethik oder Realismus sondern ausschließlich um visuelle Wünsche.
Für das Projekt wurde eine LoRA (Low-Rank Adaptation) trainiert, basierend auf 59 gesammelten Bildern von diversen Tieren denen widerwillen Hüte aufgesetzt wurden. Das Ziel war, die visuelle Logik dieser Bilder, also die ästhetische Grammatik des “Tiers mit Hut” in ein modulares, übertragbares Muster zu übersetzen.
Die Entscheidung eine LoRA zu trainieren hatte zwei Gründe: Erstens erlaubt sie eine sehr spezifische visuelle Prägung, die auf den Bildfundus zurückgeht. Zweitens konnte damit kontrolliert werden wie die KI das wiederkehrende Motiv interpretiert, überhöht oder mutiert um dies weiter zu adaptieren.
Der Kontergedanken war zu testen wie die KI reagiert wenn sie dazu gebracht wird Menschen zu generieren, trainiert mit einem Datensatz aus Bildern, das Tiere zeigt die vom Mensch gedemütigt wurden.
„anyhati, human“
Um dieses Verhalten und den Gedanken dahinter zu kontern stellte sich die frage was passiert, wenn man ein auf ‚Tier+hut‘ spezialisiertes Modell zwingt, Menschen darzustellen?
In ComfyUI zeigte sich ein eindeutiger Sweetspot: Hybride Figuren, Menschen mit tierhaften Zügen, Menschen in Käfigen wie Vögel, Menschen mit verzerrten Gesichtern - aber mit Brillen, Hüten oder fellartigen Texturen.
Außerhalb des Sweetspots entstanden starke Artefakte: amorphe Flächen, glitchige Texturen, deformierte menschliche Figuren oder Cluster aus Tiergesichtern/texturen, die sich wie visuelle Fehlzündungen des Systems anfühlen.
Die Auswahl der finalen Bilder folgt daher nicht der ästhetischen Perfektion, sondern der Spannung zwischen Wiedererkennung und Störung. Der eigentliche Kern meiner Arbeit liegt daher nicht in der Bildproduktion selbst, sondern in der Kuration, Kontrolle und Inszenierung der Fehler in der Bildproduktion, sowie der Kritik an der humanifizierung und ausgeübten Gewalt gegenüber Tieren.