Becoming Kafka ist eine iterative Porträtstudie, die mit ComfyUI und einem Stable-Diffusion-Workflow entwickelt wurde.

Ausgangspunkt ist ein einziges, ikonisches Foto von Franz Kafka. Statt diese Fotografie direkt zu kopieren, bekommt das KI-Modell nur eine sprachliche Beschreibung: hohe Stirn, schmales Gesicht, tiefliegende Augen, dunkler Anzug, Studioaufnahme der 1920er Jahre.
In mehreren Durchläufen werden minimale Veränderungen im Prompt vorgenommen – ein anderes Wort für die Form der Wangen, eine Nuance im Blick, ein Hinweis auf historische Fotografie oder auf die Stimmung im Gesicht. Jede kleine Verschiebung im Text erzeugt ein neues Bild, das sich ein Stück weiter auf Kafka zubewegt oder wieder von ihm entfernt.
Die final ausgewählten acht Porträts zeigen diese Annäherung als Sequenz: vom generischen jungen Mann im Anzug hin zu einem Gesicht, das als „kafkaesk“ lesbar ist, ohne ihn wirklich abzubilden. Die Arbeit stellt Fragen nach Autorschaft und Identität: Wem gehört dieses Gesicht – dem Datensatz, dem Algorithmus, dem Prompt, oder der historischen Person?

Im letzten Schritt werden die generierten Bilder in einer Videomontage zusammengeführt. Die Porträts erscheinen wie eine flackernde Erinnerung, ein maschinischer Versuch, sich an Kafka zu erinnern – präzise im Detail und doch nie ganz er selbst.

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Rasteransicht eines Teils der generierten Porträts: Jede Kachel steht für eine minimale Änderung im Prompt oder in den Parametern. Zusammen zeigt das Bild, wie sich die KI Schritt für Schritt vom anonymen Gesicht zum „fast Kafka“ bewegt – und dabei ständig neue Varianten erzeugt.

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KI-generiertes Abschlussporträt der Serie Becoming Kafka – ein Gesicht zwischen anonymem Mann im Anzug und der geisterhaften Erinnerung an Franz Kafka.